Helgoland – Eine andere Welt

Informationen über die subjektiv schönste Insel Deutschlands am Golfstrom, Neuigkeiten und Veranstaltungen auf Helgoland – und ein bisschen "Kraut und Rüben" aus der Kartoffelallee

FAZ-Kommentare zum Bürgerentscheid auf Helgoland am 26.06.2011

Falls es noch jemanden gibt, der darüber nachdenken möchte, ob sich die Insel Helgoland mit ihrer Ablehnung des Bürgerentscheides am 26.06.2011 gegen die Verbindung Helgoland – Düne in Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Insel einen Gefallen getan hat, dem liefern diese Kommentare aus der aktuellen FAZ einen Denkanstoß.

(Ein Klick auf den jeweiligen Kommentar vergrößert das Bild. Aber manch einer möchte das so deutlich vielleicht gar nicht lesen. Bleibt zu bemerken, dass 4 von 6 Kommentaren in meiner Lieblingszeitung die Entscheidung nicht nachvollziehen können.)

 

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Helgoland in der TAZ

Ganz ohne Häme liest sich der Artikel aus der heutigen TAZ über die abgelehnte Dünenverbindung Helgoland. Ich nehme, dass es diese Zeitung auf Helgoland mittlerweile nicht mehr zu kaufen gibt. Daher hier der Link  für die, die sie trotzdem noch lesen.

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Helgoland – Teilweise Unverständnis für Entscheidung gegen Dünenverbindung

Neben allen rein sachlich berichtenden Artikeln (hier nicht aufgeführt, da zu 90% gleichlautend und leicht über jede Suchmaschine zu finden) zum Abstimmungsergebnis über die Dünenverbindung am 26.06.2011 summieren sich die Stimmen, die ihr Unverständnis über die negative Abstimmung der Helgoländer äußern.

Bleibt Helgoland zu wünschen, dass potentielle Investoren diese Entscheidung aus Helgoland nachvollziehen können. Was bleiben wird, ist der Eindruck, den fast sämtliche Überschriften in allen renommierten Zeitungen als Fazit hinterlassen:

„Die Bürger haben entschieden, Helgoland – Dagegen!“

Vielleicht war schlicht die Frage an die Helgoländer falsch formuliert. Hätte diese nicht zunächst lauten müssen: „Sind Sie für eine umfassende, sachliche Prüfung aller Faktoren (Kosten, Risiken, Ertrag, Investoreninteressen, Einfluss auf die Natur, wirtschaftliche/r Nutzen/Risiken), die mit einer geplanten Dünenverbindung einhergehen würden?“

Nach Kenntnis all dieser Faktoren wäre eine zweite Bürgerabstimmung im Wortlaut der gestern gestellten Frage vielleicht anders ausgegangen.

Im Vorfeld waren auf Helgoland viele Stimmen von Insulanern zu hören, die schlicht nicht wussten, wie sie abstimmen sollten, da ihnen die Konsequenzen bei einem „Ja“ nicht vorstellbar waren.  Umfangreiche Informationen vorab und eine Trennung in zwei Abstimmungen wäre, unabhängig von dem Wunsch nach einem bestimmten Ergebnis, transparent gewesen.

Paradoxum nebenbei: In einem Interview mit Bürgermeister Jörg Singer auf Radio Bremen wird nun wieder über eine „kleine Lösung“ gesprochen. Eine solche (u.a. insbesondere die sogenannte „Schnitzellösung“) hatten die Helgoländer im Januar 2011 noch mehrheitlich wg. (u.a.) Unwirtschaftlichkeit abgelehnt. Obacht liebe Insel, dass Du Dich nicht der Lächerlichkeit preisgibst, ist man versucht, zu warnen.

Hier die (bewusst ausgewählten, rein negativen) Kommentare in Auszügen:

NDR, Online
„Chance vertan“ (…)  „…Toll, denken viele Helgoländer – ihre Insel bleibt so wie sie ist. Weniger toll, denken wohl der neue Bürgermeister Jörg Singer und seine Mitstreiter. Die Vision, die der neue Mann im Rathaus umsetzen wollte, kann er erst einmal vergessen. Der ehemalige Unternehmensberater ist in der „Insel-Realität“ angekommen. Er wollte die Helgoländer mitnehmen auf seinem Weg – mit Bürgerversammlungen, Bürgerinfobriefen und Bürgerentscheid. Dafür verdient der neue Bürgermeister Respekt.“
Link zum NDR

Hannoversche Allgemeine Zeitung
„Singer, der sich gerne als Architekt der Wiedervereinigung hätte feiern lassen, muss sich nun mit einer kleinen Lösung bescheiden. Die Hauptinsel wird in Höhe des Nordosthafens ins Meer hinaus erweitert. Zumindest die Schiffer, die Touristen zur kleinen Schwester übersetzen, wird es freuen.“
Link zum HAZ-Artikel

Neue Osnabrücker Zeitung
„Helgoland hat eine riesige Chance verpasst. Der rote Fels in der Nordsee hätte sich gestern mit ein paar Dutzend Ja-Stimmen mehr das Interesse in der Öffentlichkeit sichern können. Eine Inselverbindung hätte genau jene Finanzinvestoren gelockt, die notwendig sind, um Helgoland vom Image des verträumten Schnapskiosks in der Nordsee zu befreien und in das Urlauberzeitalter zu katapultieren.“
Link zur NOZ

Blog Ohland
„Und nun haben die Insulaner sich gegen einen Plan entschieden, die Insel mit einem 200 Mio. Euro-Projekt wieder auf die Beine zu bringen.  Auf das niemand die Friedhofsruhe stören möge. Was soll aus der Insel werden?“
Link Ohland

Hamburger Abendblatt, Online-Titelseite
„Das Nein allein reicht nicht.“
und „… Wenn Touristen ausbleiben, die jungen Leute fliehen – dann hat die Insel keine Zukunft, schon jetzt liegt das Durchschnittsalter bei rund 58 Jahren!“

Spiegel Online, Kommentar

„..staatliche Unterstützung und Subventionen sollten für Helgoland eingestellt werden.
Nur dann merken die einfältigen Bürger, dass sie mit ihrem Bürgerentscheid sich den eigenen Ast auf dem sie sitzen, selbst abschneiden.
Soll doch Helgoland eine Vogelinsel werden. Die restlichen Bewohner könnten dann den Kot sammeln und exportiern um eine überlebenschance zu haben.“
Link zu SPON

Spiegel-Online, Kommentar
„Fazit: Wenn die Helgoländer so gerne ein kleiner, langweiliger Felsen im Meer sein wollen: gut. Nur dann bitte lebt nicht mehr auf Kosten des restlichen Landes und bezahlt die wirklichen Preise für die Waren, die auf die Insel kommen. Und auch die vielen Touris könnt Ihr gerne von Eurer Insel verbannen. Aber dann ist in spätestens 10 Jahren eh keiner mehr von Euch da und man kann aus Helgoland endlich das machen, was es schon heute sein könnte. Eine Insel, auf der Menschen einen schönen naturnahen Urlaub verbringen können und die Natur erleben können.“

Spiegel-Online, Kommentar
„Schade! Bin (war?) ein relativ junger Helgolandfan und hatte mich schon für das Projekt begeistert. Nun wird’s also erst mal beim „Fuselfelsen“-Image mit 50er Jahre Mief- Charm bleiben.
Hoffentlich gibts doch noch irgendwie eine Chance für das Projekt.“

Air Hamburg äußert seine Enttäuschung

Air Hamburg äußert seine Enttäuschung

Und noch mehr…

Spiegel Online, Kommentar
 „Bei der Helgoländer Altersstruktur kann schon jetzt ausgerechnet werden, wenn der letzte das Licht ausmachen wird. Bis dahin bleibt es nostalgisch, und die Robben freuen sich. Glück für die Robben, Pech für die „Beweger“. Da bin ich ja richtig froh, dass (noch) bei uns der Strand befestigt wird, ist ja auch ein herber Eingriff in die Natur !“

Focus Online, Kommentar, 27.06.2011

Focus Online, Kommentar, 27.06.2011

Spiegel Online, Kommentar
„Wie toll Helgoland für seine Einwohner ist, sieht man ja am spektakulären Bevölkerungswachstum der letzten 30 Jahre!
Aber wie soll ein Bürgerentscheid auch anders ausgehen…die besonders leistungsfähigen Einwohner sind doch schon lange weg. Ähnliches Problem wie in manchen Gebieten im Osten Deutschland oder im äußersten Osten Bayerns.“

Ironie im Focus Online-Kommentar: Nacktrodeln auf Helgoland?

Ironie im Focus Online-Kommentar: Nacktrodeln auf Helgoland?

Spiegel Online, Kommentar
„Gut liebe Helgoländer, Ihr habt in einem demokratischen Verfahren die Wahl gehabt und Euch dagegen entschieden. Ist akzeptiert. Aber wagt es nicht in ein paar Jahren auf die Tränendrüse zu drücken weil bei Euch das Licht ausgeht und nach Subventionen zu schreien…“

"Chance vertan", Der Tagesspiegel, Kommentar

"Chance vertan", Der Tagesspiegel, Kommentar

Spiegel Online, Kommentar
“ ….um diese einmalige Chance auszuschlagen!!! Die Entscheidung gegen die Vergrößerung war auch eine Entscheidung gegen Helgolands Zukunft! Ein bedauerlicher Sieg der ewigen Bedenkenträger und Abersager. Schade, so wird Helgolands Zukunft verspielt. Ich habe von Anfang der 80er bis 1986 auf Helgoland gewohnt und in der Gastronomie gearbeitet. Das Problem der Insel ist, neben der geringen Bevölkerung, daß es außer Gastronomie und Schnaps- und Zigarettenverkauf kaum nennenswerte Ertragsmöglichkeiten gibt.
Mit dieser Fehlentscheidung wird jede Aufbruchstimmung kaputtgemacht und die schöne Insel sägt sich kurzsichtig ihre Zukunft kaputt. Schade um Helgoland.“

Spiegel Online, Kommentar
“ Man sollte sich schonmal darauf einstellen, dass man beim Helgoland Urlaub – ähnlich wie früher in Kuba, Seife und andere Kleinigkeiten als Geschenk fürs Personal nicht vergisst.

Oder sind die Herren: „Meine Urlaubsinsel soll so idyllisch bleiben, wie sie ist“ bereit auch kostendeckende Preise zu bezahlen?“

Spiegel Online, Kommentar
„Helgoland gräbt sich selber sein Grab

Touristen interessieren sich eben weniger für 5 Geschäfte in einer eher etwas vergammelten Straße als für 15 Geschäfte und etwas Großzügigkeit.

Man erkennt das daran, das sich sowohl Besucher als auch Einwohner drastisch verringert haben.

Nun haben die in Ehren ergrauten Restbewohner der Insel gewonnen, und erst wenn diese alle gegangen sind gehts vielleicht vorwärts.

So: Stillstand und ja nichts verändern, vor allem, den bisherigen Nidergang auf Fehler anderer schieben

RIP Helgoland“

Update, 28.06.2011

HHer Abendblatt zur Dünenverbindung Helgoland, Leserbrief vom 28.06.2011

HHer Abendblatt zur Dünenverbindung Helgoland, Leserbrief vom 28.06.2011

HAN, Harburger Anzeigen und Nachrichten, 28.06.2011 – Aus einem Interview mit Arne Weber:
Warum glauben Sie, haben die Helgoländer die Pläne mehrheitlich abgelehnt?

Viele Helgoländer haben offenbar das Projekt und dessen Entwicklung nicht begriffen. Unser Vorschlag der Landverbindung ist in den vergangenen Monaten komplett zerfleddert worden. Es sind so viele Alternativpläne präsentiert worden, mit zum Teil abenteuerlichen Zahlen: Es schien, als hätte jeder seinen eigenen Gegenentwurf. Es wurde vergessen, dass unser Plan – damals noch zusammen mit der TU Harburg entworfen – der einzige seriöse ist. Wir sind Wasser- und Hafenbauer und hatten alles komplett ausgearbeitet bis zum Ankauf des Seegrunds.“Link zu den HAN

Update 29.06.2011

TAZ Online
„Denn dass es nicht so bleiben kann, wie es ist, dürfte allen klar sein. Das Image des Fuselfelsens zieht zu viele Tagesgäste an und zu wenige Urlauber. Zudem leidet die Insel an Auszehrung. Die Jungen ziehen weg, die Alten bleiben, der Schule droht das Aus. Zweitwohnungsbesitzer vom Festland treiben die Immobilienpreise hoch, tragen aber zum Gemeindeleben wenig bei.“
Link zur TAZ  

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Offizielles Ergebnis zur Abstimmung zur Dünenverbindung – Keine „große Lösung“ für Helgoland, aber…

Auf den offiziellen Internetseiten von Helgoland findet sich nun auch das Endergebnis zur Abstimmung über die Dünenverbindung:

Zitat (fett):

Hier das vorläufige endgültige Wahlergebnis:
Wahlberechtigte: 1.312
Abgegebene Stimmen: 1.068
Davon gültige Stimmen: 1.065
Mit „Ja“ antworteten: 482 (= 45,26%)
Mit „Nein“ antworteten: 583 (= 54,74%)
Wahlbeteiligung: 81,40 %

Ein weiteres Zitat aus dem heutigen Text auf der Internetseite:

„Formal steht damit zunächst fest, dass dieses Votum die Wirkung eines endgültigen Beschlusses der Gemeindevertretung hat und dass dieser Bürgerentscheid innerhalb von zwei Jahren nur durch einen Bürgerentscheid geändert werden kann.

Fest steht damit auch, dass der typische Zwei-Insel-Charakter mit Hauptinsel, Düne und Reede erhalten bleibt – übrigens ein Votum, das vor allem auch die vielen Stammgäste und Urlauber Helgolands unterstützen.“

Anders lautet das Ergebnis der Leser-Abstimmung, die am 26.06.2011  auf den Internetseiten des Hamburger Abendblattes zu sehen war. Hiernach hätte es unter den Abendblatt-Lesern eine Mehrheit für eine Dünenverbindung gegeben.

Hamburger Abendblatt Abstimmung Helgoland 26.06.2011

Hamburger Abendblatt Abstimmung Helgoland 26.06.2011

Über den Dienst „Twitter“ finden sich zustimmende Kommentare für die Entscheidung der Helgoländer, viel Lob dafür, dass überhaupt eine Bürgerabstimmung stattgefunden hat (einige davon mit einem Hinweis auf die Probleme bei  S21) aber auch Unverständnis ist zu lesen:



Wer jetzt glaubt, dass eine Erweiterung der Insel um zusätzliche Flächen gänzlich vom Tisch ist, irrt, wenn ich den nachfolgenden Text auf den Internetseiten der Insel Helgoland richtig interpretiere:

Auszug aus den Seiten helgoland.de

„Dieses „Nein“ bedeutet nun selbstverständlich nicht, dass damit eine nachhaltige und zukunftsorientierte und zukunftsfähige Entwicklung unmöglich ist – im Gegenteil!

Vielmehr gilt es jetzt zu prüfen, wie eine andere Form der Landgewinnung realisiert werden kann – denn nicht zuletzt im kürzlich fertiggestellten Regionalentwicklungskonzept – unter Einbeziehung der Insulaner – wurde klar herausgearbeitet, dass neuer Entwicklungsraum für Helgoland dringend notwendig ist.

Gemeinsam wird nun zu prüfen und zu entwickeln sein, wie auf der Insel oder der Insel vorgelagert Flächen für Wohn-, Arbeits- und Gewerberäume sowie für zusätzliche touristische Infrastruktur geschaffen werden können. Dieses Verfahren beinhaltet, dass Gutachten z.B. hinsichtlich der Machbarkeit und der Finanzierbarkeit in Auftrag zu geben sein werden – technische, rechtliche und finanzielle Fragestellungen müssen erörtert und beantwortet werden. Auch werden nun Gespräche mit dem Land und potentiellen Investoren aufzunehmen sein.

Bis diese Fragen geklärt sind und ggf. die Inselerweiterung durch Schaffung zusätzlicher Flächen realisiert wird, gilt es, die vielen Projekte, die das kürzlich fertiggestellte Regionalentwicklungskonzept als Maßnahmen vorschlägt und von denen bereits einige in der Umsetzungsphase sind, gemeinsam und konsequent weiterzuverfolgen.“

– Das bedeutet also, dass lediglich die „große Dünenverbindung“ zunächst nicht realisiert wird. Über andere Lösungen wird nun (wieder) diskutiert.

Weiter aus helgoland.de:
„Aus diesem Grunde laden Bürgervorsteher Claus Wickidal und Bürgermeister Jörg Singer die Inselbevölkerung für den 6. Juli 2011 zu einer weiteren Bürgerversammlung ein, um gemeinsam über das Ergebnis und den Zukunftsweg zu sprechen. Denn – so Singer -, „das Allerwichtigste ist, dass wir zu EINEM WIR kommen.“

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Helgoland – Endergebnis zur Abstimmung Dünenverbindung am 26.06.2011

Schnell sind sie, die Auszähler der Stimmen auf Helgoland.

Zu der Frage der gewünschten Dünenverbindung lautet das vorläufige Ergebnis wie folgt:
45,2 Ja-Stimmen zu 54,8 Nein-Stimmen.

Update 19.20 Uhr:
Mit einem ersten Artikel ist die „Welt“ am schnellsten. Sie melden eine Wahlbeteiligung von 81,4 Prozent. Dafür Herzlichen Glückwunsch an die Helgoländer.

Schneller als die Welt ist nur „geohartmut“ (siehe Twitter)  live vor Ort auf Helgoland mit seinen Bildern und einem Foto des amtlichen Endergebnisses.

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Tendenz zur Auszählung der Stimmen zur Dünenverbindung

Anwesende bei der Auszählung der abgegebenen Stimmen auf Helgoland zur Abstimmung über die Dünenverbindung vermelden, dass ein deutlicher Trend zu einem „Nein“ zur Dünenverbindung zu erkennen sein soll.

Das genaue Ergebnis steht am 26.06.2011 zu späterer Stunde fest.

Update, 18.30 Uhr
Knapp 100 Helgoländer mehr stimmen für ein „Nein“ als für ein „Ja“ zur Verbindung Helgoland – Düne.

Helgoland - Auszählung der Stimmen zur Dünenverbindung

Helgoland - Auszählung der Stimmen zur Dünenverbindung

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Landgewinnung: Aus zwei mach eins – ZEIT ONLINE mobil

http://mobil.zeit.de/2011/26/Volksabstimmung-Helgoland

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„Niemand ist zwei Inseln“ – und meine private Meinung zur Dünenverbindung Helgoland

(Achtung, lang: ) Wer die interessante und sehr gut gemachte Radio-Sendung  über Helgoland beim Hessischen Rundfunk unter dem Titel „Niemand ist zwei Inseln“ gerade verpasst hat, kann diese auf der Internet-Seite des Senders auch nachträglich hören.

Ich nehme an, dass der Beitrag Morgen online (unter Podcast Der Tag) abrufbar sein wird.

Frühaufsteher haben Morgen, am 25.06.2011 die Gelegenheit, Bürgermeister Jörg Singer zum Thema „Verbindung Helgoland Düne“ im DLF Radio zu hören. Ungewöhnliche Menschen, die zu dieser Zeit bereits den Computer angeschaltet haben, nehmen einfach einen Kaffee und diesen Link zum Sender DLF Deutschlandfunk.

Wer meine privat-persönliche Meinung zum Ja/Nein einer Verbindung zwischen Insel und Düne wissen möchte, ohne dass er über mich herfällt:

Seit dem Jahr 2007 arbeite ich u. a. daran, Mitarbeiter für  verschiedenste Tätigkeiten in diversen Betrieben auf der Insel Helgoland zu gewinnen. Mittels Online-Stellenanzeigen, über Portale wie Hotelcarreer, mittels Aufrufen bei Facebook, mittels (manchmal auch) Hilferufen bei Twitter.  Zu mehr als 80 Prozent bekomme ich folgende, absagende Antworten:

– Was soll ich denn da?
– Das ist mir zu langweilig.
– Was gibt es denn da an Unternehmungsmöglichkeiten? Geht man da nicht ein, im Winter?
– Wenn ich nach Spanien gehen kann, warum soll ich dann nach Helgoland?
– Ich habe einen 14jährigen Sohn (Alter/Geschlecht sind austauschbar), der auf ein Gymnasium geht. Da kann ich nicht nach Helgoland.
– Ich würde gerne die Woche über auf der Insel arbeiten und am Wochenende nach Hause aufs Festland fahren. Aber bei den Fahrkartenpreisen würde dabei mein Gehalt drauf gehen.
–  Na gut, ich wäre bereit, auf die Insel zu gehen. Aber dann liegt mein Gehaltswunsch bei Euro 4.000,00 (ein Koch) und ich komme nur für eine Saison.

Das erlebe ich seit 4,5 Jahren, es frustriert, es nervt, es beschreibt (teilweise) die Insel-Realität – und all das senkt die Qualität in den Hotels und in den meisten Betrieben auf der Insel Helgoland. Und das wiederum schlägt sich 1:1 auf das Image der Insel nieder. Schade Helgoland, das hast Du wahrlich nicht nötig.

Die Gegner der Dünenverbindung, die fordern „erstmal vor der eigenen Haustür zu kehren und Eigen-Initiative zur Verbesserung zu ergreifen“, möchte ich fragen: Wer soll diese Initiative ergreifen? Der Altersdurchschnitt der Helgoländer liegt bei um die 50 Jahre. Eher noch älter als jünger. Die genaue Zahl habe ich gerade nicht im Kopf. Hier ist wohl, verständlicherweise, nach Beendigung des normalen Tagewerkes wenig Enthusiasmus oder Initiative zu erwarten. Ob die Söhne oder Töchter der Helgoländer nach einer Ausbildung auf dem Festland auf die Insel zurückkehren, wenn diese unverändert bleibt, ist fraglich. Auch hier ist mit Initiative wenig zu rechnen.

Bei aller negativer Berichterstattung in TAZ, Spiegel, Manager Magazin etc. ist für mich eines klar: Soviel Aufmerksamkeit wie jetzt hatte Helgoland lange nicht. In Radio-Sendungen und Zeitungsberichten höre und lese ich Namen von engagierten Helgoländern, von denen ich zuvor nicht wusste, dass sie auf der Insel leben.

Ein weiteres Nachdenken über eine Verbindung Düne-Insel bietet zur Zeit mehr Chancen, als Helgoland in den nächsten x Jahren und für die nachkommenden x Generationen  wieder erhalten wird.

Welche Chance sehen die Gegner der Verbindung, das Image der Insel auf anderen Wegen zu wandeln? Welche Möglichkeiten sehen sie, die Helgoländer Schule zu erhalten?

(Einschub: Das Schulsterben kenne ich aus eigener Erfahrung aus Hamburg-Moorburg. Als nur noch 20 Kinder an der Schule waren – unter ihnen meine Tochter – , haben wir Eltern selbst beschlossen, die Kinder aus der verbleibenden Zwergenschule ein Jahr vor der kompletten Schulschließung herauszunehmen. Schließlich wollten wir, dass unsere Kinder den Umgang sowohl mit jüngeren als auch mit älteren Mitschülern lernen sollten, um sie sozial auf das folgende Leben vorzubereiten.)

Welche wissenschaftlichen Mitarbeiter und Ärzte werden noch nach Helgoland gehen, wenn es keine Schule mehr gibt? Wieviel Tagesgäste, Urlaubsgäste werden noch auf die Insel kommen, wenn die Betriebe auf den Inseln immer weniger Qualität liefern können, weil diese ohne Mitarbeiter gar nicht zu liefern ist? Wieviele Betriebe auf der Insel arbeiten zur Zeit mit teurem Leih-Personal, suchen händeringend nach (bezahlbaren!) Personalzimmern oder fragen „Kennst Du nicht jemanden, der bei mir kellnern könnte? Auch nur zur Aushilfe?“

Und das ist nur der momentane Stand. Wenn ich anfange darüber nachzudenken, wie viel schwieriger es in Zukunft sein wird, aufgrund des „war of talents“ auch nur halbwegs qualifizierte Mitarbeiter zu finden… dann wird mir noch mulmiger, als mir sowieso schon zumute ist.

Ich würde mir wünschen, dass die Helgoländer und Helgoländerinnen mutig für ein „Ja“ stimmen um dann sachlich und in Ruhe alle Entwürfe, Machbarkeitsstudien, Kalkulationen, Baukostenpreise, Investorenpläne abzuwarten – um sich nicht die Chance zu nehmen, erst nach einem Abwägen aller dann erst bekannten Faktoren eine endgültige Entscheidung darüber zu treffen, ob eine Verbindung sinnvoll ist oder eben nicht.

Hatte ich erwähnt, dass ich ein kleines bisschen verliebt in diese Insel bin?

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Und die See riecht nach Kuchen…

Da ist Wind, Langsamkeit, Meer. Zeit zu Lesen, was man schon immer wollte. Schon die Anreise als Urlaub genießen. Den Heimatort von James Krüss entdecken. Robben gucken auf der Düne. Entdecken der Helgoländer Spezialitäten. Wellness. Entspannen. Vergangenheit (neu) sehen. Oder einfach vergessen. Mal nicht gestört werden. Dem Kind eine Insel schenken - oder sich selbst.

Ich bin, wo mich niemand vermutet.

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