Helgoland – Eine andere Welt

Informationen über die subjektiv schönste Insel Deutschlands am Golfstrom, Neuigkeiten und Veranstaltungen auf Helgoland – und ein bisschen "Kraut und Rüben" aus der Kartoffelallee

„Niemand ist zwei Inseln“ – und meine private Meinung zur Dünenverbindung Helgoland

(Achtung, lang: ) Wer die interessante und sehr gut gemachte Radio-Sendung  über Helgoland beim Hessischen Rundfunk unter dem Titel „Niemand ist zwei Inseln“ gerade verpasst hat, kann diese auf der Internet-Seite des Senders auch nachträglich hören.

Ich nehme an, dass der Beitrag Morgen online (unter Podcast Der Tag) abrufbar sein wird.

Frühaufsteher haben Morgen, am 25.06.2011 die Gelegenheit, Bürgermeister Jörg Singer zum Thema „Verbindung Helgoland Düne“ im DLF Radio zu hören. Ungewöhnliche Menschen, die zu dieser Zeit bereits den Computer angeschaltet haben, nehmen einfach einen Kaffee und diesen Link zum Sender DLF Deutschlandfunk.

Wer meine privat-persönliche Meinung zum Ja/Nein einer Verbindung zwischen Insel und Düne wissen möchte, ohne dass er über mich herfällt:

Seit dem Jahr 2007 arbeite ich u. a. daran, Mitarbeiter für  verschiedenste Tätigkeiten in diversen Betrieben auf der Insel Helgoland zu gewinnen. Mittels Online-Stellenanzeigen, über Portale wie Hotelcarreer, mittels Aufrufen bei Facebook, mittels (manchmal auch) Hilferufen bei Twitter.  Zu mehr als 80 Prozent bekomme ich folgende, absagende Antworten:

– Was soll ich denn da?
– Das ist mir zu langweilig.
– Was gibt es denn da an Unternehmungsmöglichkeiten? Geht man da nicht ein, im Winter?
– Wenn ich nach Spanien gehen kann, warum soll ich dann nach Helgoland?
– Ich habe einen 14jährigen Sohn (Alter/Geschlecht sind austauschbar), der auf ein Gymnasium geht. Da kann ich nicht nach Helgoland.
– Ich würde gerne die Woche über auf der Insel arbeiten und am Wochenende nach Hause aufs Festland fahren. Aber bei den Fahrkartenpreisen würde dabei mein Gehalt drauf gehen.
–  Na gut, ich wäre bereit, auf die Insel zu gehen. Aber dann liegt mein Gehaltswunsch bei Euro 4.000,00 (ein Koch) und ich komme nur für eine Saison.

Das erlebe ich seit 4,5 Jahren, es frustriert, es nervt, es beschreibt (teilweise) die Insel-Realität – und all das senkt die Qualität in den Hotels und in den meisten Betrieben auf der Insel Helgoland. Und das wiederum schlägt sich 1:1 auf das Image der Insel nieder. Schade Helgoland, das hast Du wahrlich nicht nötig.

Die Gegner der Dünenverbindung, die fordern „erstmal vor der eigenen Haustür zu kehren und Eigen-Initiative zur Verbesserung zu ergreifen“, möchte ich fragen: Wer soll diese Initiative ergreifen? Der Altersdurchschnitt der Helgoländer liegt bei um die 50 Jahre. Eher noch älter als jünger. Die genaue Zahl habe ich gerade nicht im Kopf. Hier ist wohl, verständlicherweise, nach Beendigung des normalen Tagewerkes wenig Enthusiasmus oder Initiative zu erwarten. Ob die Söhne oder Töchter der Helgoländer nach einer Ausbildung auf dem Festland auf die Insel zurückkehren, wenn diese unverändert bleibt, ist fraglich. Auch hier ist mit Initiative wenig zu rechnen.

Bei aller negativer Berichterstattung in TAZ, Spiegel, Manager Magazin etc. ist für mich eines klar: Soviel Aufmerksamkeit wie jetzt hatte Helgoland lange nicht. In Radio-Sendungen und Zeitungsberichten höre und lese ich Namen von engagierten Helgoländern, von denen ich zuvor nicht wusste, dass sie auf der Insel leben.

Ein weiteres Nachdenken über eine Verbindung Düne-Insel bietet zur Zeit mehr Chancen, als Helgoland in den nächsten x Jahren und für die nachkommenden x Generationen  wieder erhalten wird.

Welche Chance sehen die Gegner der Verbindung, das Image der Insel auf anderen Wegen zu wandeln? Welche Möglichkeiten sehen sie, die Helgoländer Schule zu erhalten?

(Einschub: Das Schulsterben kenne ich aus eigener Erfahrung aus Hamburg-Moorburg. Als nur noch 20 Kinder an der Schule waren – unter ihnen meine Tochter – , haben wir Eltern selbst beschlossen, die Kinder aus der verbleibenden Zwergenschule ein Jahr vor der kompletten Schulschließung herauszunehmen. Schließlich wollten wir, dass unsere Kinder den Umgang sowohl mit jüngeren als auch mit älteren Mitschülern lernen sollten, um sie sozial auf das folgende Leben vorzubereiten.)

Welche wissenschaftlichen Mitarbeiter und Ärzte werden noch nach Helgoland gehen, wenn es keine Schule mehr gibt? Wieviel Tagesgäste, Urlaubsgäste werden noch auf die Insel kommen, wenn die Betriebe auf den Inseln immer weniger Qualität liefern können, weil diese ohne Mitarbeiter gar nicht zu liefern ist? Wieviele Betriebe auf der Insel arbeiten zur Zeit mit teurem Leih-Personal, suchen händeringend nach (bezahlbaren!) Personalzimmern oder fragen „Kennst Du nicht jemanden, der bei mir kellnern könnte? Auch nur zur Aushilfe?“

Und das ist nur der momentane Stand. Wenn ich anfange darüber nachzudenken, wie viel schwieriger es in Zukunft sein wird, aufgrund des „war of talents“ auch nur halbwegs qualifizierte Mitarbeiter zu finden… dann wird mir noch mulmiger, als mir sowieso schon zumute ist.

Ich würde mir wünschen, dass die Helgoländer und Helgoländerinnen mutig für ein „Ja“ stimmen um dann sachlich und in Ruhe alle Entwürfe, Machbarkeitsstudien, Kalkulationen, Baukostenpreise, Investorenpläne abzuwarten – um sich nicht die Chance zu nehmen, erst nach einem Abwägen aller dann erst bekannten Faktoren eine endgültige Entscheidung darüber zu treffen, ob eine Verbindung sinnvoll ist oder eben nicht.

Hatte ich erwähnt, dass ich ein kleines bisschen verliebt in diese Insel bin?

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2 Responses

  1. Royan Sun sagt:

    Die vernünftigen und intelligenten Menschen auf Helgoland haben richtig enschieden. Querbett durch alle Altersklassen, darunter viele und 35 Jahren.
    Eine Verbindung per Landaufschüttung zur Düne, wäre der totale Untergang. Politischer Wahnsinn,unfähige Gemeindevertretung, geldgierige Größtenwahnsinnige, wollten Helgoland nicht retten,,sondern zerstören. Erst hieß es 80 Mill. €, jetzt sind es schon 120 Mill. €. Es ist ein Fass ohne Boden.
    Dem neuen Bürgermeister fehlt Weitblick und logisches Denkungsvermögen. Er ist ja „Politiker“ bzw. „Möchtegern-Politiker“.
    Mit dem vorhandenen Potential der Insel und Düne, kann eine wunderbare, zukunfsorientierte, gästefreundliche Infrastruktur aufgebaut werden.
    Helgoland braucht nicht mehr Einwohner. 1300 sind mehr als genug, fast zuviel. Die Insel braucht Kompetenz, Geist,Weitblick und Verstand.Den politisch arrangierten Personen auf Helgoland, in der sog. „Helgoländer Politik“ sind diese Attribute nicht vorhanden.
    Weniger ist Mehr!

  2. Peter L. sagt:

    Ohne die Insel persönlich zu kennen, ich war noch nie da; schreibe ich hier mal auf, was ich dazu denke.

    Dieser Insel steht das bevor, was sich in vielen Kleinstädten auf dem Festland seit Jahren abspielt. Es wurden Fußgängerzonen eingerichtet, damit der Autoverkehr außen vor bleibt und der Fußgänger sich beim Einkauf frei bewegen kann. Während Straßencafes wie Pilze aus dem Boden schossen, wurde das für Fußgängerzonen wichtige sonstige Angebot an Einkaufsmöglichkeiten immer mehr an den Rand der Städte auf die grüne Wiese verlagert.

    Die Auswirkungen kennt jeder, zum schnellen Einkaufen geht man heute nicht zufuß in die Innenstadt (es fehlen ja auch Parkmöglichkeiten), sondern man fährt mit dem Auto dorthin, wo es am günstigsten ist und wo man schnell und günstig parken kann. Die Folge? Innenstädte und Fußgängerzonen werden selten frequentiert und sterben langsam aus. Jetzt jammern alle noch dort anwesenden Händler über die niedrigen Umsätze, weil keiner in der heutigen Zeit bereit ist, einen Schritt mehr zufuß zu erledigen als nötig. Mobilität ist halt gefragt.

    Und so ist es wahrscheinlich auch mit der Insel Helgoland. Aufgrund uralter Regelungen im Bereich des Denkmalschutzes kann sich die Insel im Kern nicht so weiter entwickeln, das Investoren bereit wären, hier „aufzuschlagen“, um neue Anreize für Inselbesucher und Bewohner zu schaffen. Außerdem! Um auf die Insel zu gelangen, bedarf es langer Fahrtzeiten mit einer Fähre oder dem Flugzeug, und wenn man erst einmal angekommen ist, will man möglicherweise irgendwann auch schnell wieder weg; denn das Angebot auf der Insel ist ja dann doch eher dem gleich, was in den Fußgängerzonen kleinerer Städte auch schon der Fall ist. Leere Geschäfte und einseitige Sortimentsbreite sind eben nicht mehr der Knaller, um den Besucher vom Hocker zu reißen.
    Will sagen? Ein Vorhaben, wie das Verbinden zweier Inselbereiche durch Landaufschüttung kann nur die letzte Rettung dieser Insel bedeuten. Denn wenn erst einmal durch solche umfangreichen und teuren Maßnahmen neue Bedingungen geschafft werden, sind die Investoren auch nicht mehr weit. Aus einem bestehenden Synergiepotenzial generiert sich ein positiver Synergieeffekt. Aber einer muss den Anfang machen, der Rest erledigt sich von allein. Und deshalb sehe ich persönlich die Idee der Inselverbindung als letzte Möglichkeit, um der Insel Helgoland noch mal auf die Sprünge zu helfen.
    Mut zur Lücke, sagt man auch. Aber hier gilt es, eine Lücke zu schließen.

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