Helgoland – Eine andere Welt

Informationen über die subjektiv schönste Insel Deutschlands am Golfstrom, Neuigkeiten und Veranstaltungen auf Helgoland – und ein bisschen "Kraut und Rüben" aus der Kartoffelallee

Helgoland – Teilweise Unverständnis für Entscheidung gegen Dünenverbindung

Neben allen rein sachlich berichtenden Artikeln (hier nicht aufgeführt, da zu 90% gleichlautend und leicht über jede Suchmaschine zu finden) zum Abstimmungsergebnis über die Dünenverbindung am 26.06.2011 summieren sich die Stimmen, die ihr Unverständnis über die negative Abstimmung der Helgoländer äußern.

Bleibt Helgoland zu wünschen, dass potentielle Investoren diese Entscheidung aus Helgoland nachvollziehen können. Was bleiben wird, ist der Eindruck, den fast sämtliche Überschriften in allen renommierten Zeitungen als Fazit hinterlassen:

„Die Bürger haben entschieden, Helgoland – Dagegen!“

Vielleicht war schlicht die Frage an die Helgoländer falsch formuliert. Hätte diese nicht zunächst lauten müssen: „Sind Sie für eine umfassende, sachliche Prüfung aller Faktoren (Kosten, Risiken, Ertrag, Investoreninteressen, Einfluss auf die Natur, wirtschaftliche/r Nutzen/Risiken), die mit einer geplanten Dünenverbindung einhergehen würden?“

Nach Kenntnis all dieser Faktoren wäre eine zweite Bürgerabstimmung im Wortlaut der gestern gestellten Frage vielleicht anders ausgegangen.

Im Vorfeld waren auf Helgoland viele Stimmen von Insulanern zu hören, die schlicht nicht wussten, wie sie abstimmen sollten, da ihnen die Konsequenzen bei einem „Ja“ nicht vorstellbar waren.  Umfangreiche Informationen vorab und eine Trennung in zwei Abstimmungen wäre, unabhängig von dem Wunsch nach einem bestimmten Ergebnis, transparent gewesen.

Paradoxum nebenbei: In einem Interview mit Bürgermeister Jörg Singer auf Radio Bremen wird nun wieder über eine „kleine Lösung“ gesprochen. Eine solche (u.a. insbesondere die sogenannte „Schnitzellösung“) hatten die Helgoländer im Januar 2011 noch mehrheitlich wg. (u.a.) Unwirtschaftlichkeit abgelehnt. Obacht liebe Insel, dass Du Dich nicht der Lächerlichkeit preisgibst, ist man versucht, zu warnen.

Hier die (bewusst ausgewählten, rein negativen) Kommentare in Auszügen:

NDR, Online
„Chance vertan“ (…)  „…Toll, denken viele Helgoländer – ihre Insel bleibt so wie sie ist. Weniger toll, denken wohl der neue Bürgermeister Jörg Singer und seine Mitstreiter. Die Vision, die der neue Mann im Rathaus umsetzen wollte, kann er erst einmal vergessen. Der ehemalige Unternehmensberater ist in der „Insel-Realität“ angekommen. Er wollte die Helgoländer mitnehmen auf seinem Weg – mit Bürgerversammlungen, Bürgerinfobriefen und Bürgerentscheid. Dafür verdient der neue Bürgermeister Respekt.“
Link zum NDR

Hannoversche Allgemeine Zeitung
„Singer, der sich gerne als Architekt der Wiedervereinigung hätte feiern lassen, muss sich nun mit einer kleinen Lösung bescheiden. Die Hauptinsel wird in Höhe des Nordosthafens ins Meer hinaus erweitert. Zumindest die Schiffer, die Touristen zur kleinen Schwester übersetzen, wird es freuen.“
Link zum HAZ-Artikel

Neue Osnabrücker Zeitung
„Helgoland hat eine riesige Chance verpasst. Der rote Fels in der Nordsee hätte sich gestern mit ein paar Dutzend Ja-Stimmen mehr das Interesse in der Öffentlichkeit sichern können. Eine Inselverbindung hätte genau jene Finanzinvestoren gelockt, die notwendig sind, um Helgoland vom Image des verträumten Schnapskiosks in der Nordsee zu befreien und in das Urlauberzeitalter zu katapultieren.“
Link zur NOZ

Blog Ohland
„Und nun haben die Insulaner sich gegen einen Plan entschieden, die Insel mit einem 200 Mio. Euro-Projekt wieder auf die Beine zu bringen.  Auf das niemand die Friedhofsruhe stören möge. Was soll aus der Insel werden?“
Link Ohland

Hamburger Abendblatt, Online-Titelseite
„Das Nein allein reicht nicht.“
und „… Wenn Touristen ausbleiben, die jungen Leute fliehen – dann hat die Insel keine Zukunft, schon jetzt liegt das Durchschnittsalter bei rund 58 Jahren!“

Spiegel Online, Kommentar

„..staatliche Unterstützung und Subventionen sollten für Helgoland eingestellt werden.
Nur dann merken die einfältigen Bürger, dass sie mit ihrem Bürgerentscheid sich den eigenen Ast auf dem sie sitzen, selbst abschneiden.
Soll doch Helgoland eine Vogelinsel werden. Die restlichen Bewohner könnten dann den Kot sammeln und exportiern um eine überlebenschance zu haben.“
Link zu SPON

Spiegel-Online, Kommentar
„Fazit: Wenn die Helgoländer so gerne ein kleiner, langweiliger Felsen im Meer sein wollen: gut. Nur dann bitte lebt nicht mehr auf Kosten des restlichen Landes und bezahlt die wirklichen Preise für die Waren, die auf die Insel kommen. Und auch die vielen Touris könnt Ihr gerne von Eurer Insel verbannen. Aber dann ist in spätestens 10 Jahren eh keiner mehr von Euch da und man kann aus Helgoland endlich das machen, was es schon heute sein könnte. Eine Insel, auf der Menschen einen schönen naturnahen Urlaub verbringen können und die Natur erleben können.“

Spiegel-Online, Kommentar
„Schade! Bin (war?) ein relativ junger Helgolandfan und hatte mich schon für das Projekt begeistert. Nun wird’s also erst mal beim „Fuselfelsen“-Image mit 50er Jahre Mief- Charm bleiben.
Hoffentlich gibts doch noch irgendwie eine Chance für das Projekt.“

Air Hamburg äußert seine Enttäuschung

Air Hamburg äußert seine Enttäuschung

Und noch mehr…

Spiegel Online, Kommentar
 „Bei der Helgoländer Altersstruktur kann schon jetzt ausgerechnet werden, wenn der letzte das Licht ausmachen wird. Bis dahin bleibt es nostalgisch, und die Robben freuen sich. Glück für die Robben, Pech für die „Beweger“. Da bin ich ja richtig froh, dass (noch) bei uns der Strand befestigt wird, ist ja auch ein herber Eingriff in die Natur !“

Focus Online, Kommentar, 27.06.2011

Focus Online, Kommentar, 27.06.2011

Spiegel Online, Kommentar
„Wie toll Helgoland für seine Einwohner ist, sieht man ja am spektakulären Bevölkerungswachstum der letzten 30 Jahre!
Aber wie soll ein Bürgerentscheid auch anders ausgehen…die besonders leistungsfähigen Einwohner sind doch schon lange weg. Ähnliches Problem wie in manchen Gebieten im Osten Deutschland oder im äußersten Osten Bayerns.“

Ironie im Focus Online-Kommentar: Nacktrodeln auf Helgoland?

Ironie im Focus Online-Kommentar: Nacktrodeln auf Helgoland?

Spiegel Online, Kommentar
„Gut liebe Helgoländer, Ihr habt in einem demokratischen Verfahren die Wahl gehabt und Euch dagegen entschieden. Ist akzeptiert. Aber wagt es nicht in ein paar Jahren auf die Tränendrüse zu drücken weil bei Euch das Licht ausgeht und nach Subventionen zu schreien…“

"Chance vertan", Der Tagesspiegel, Kommentar

"Chance vertan", Der Tagesspiegel, Kommentar

Spiegel Online, Kommentar
“ ….um diese einmalige Chance auszuschlagen!!! Die Entscheidung gegen die Vergrößerung war auch eine Entscheidung gegen Helgolands Zukunft! Ein bedauerlicher Sieg der ewigen Bedenkenträger und Abersager. Schade, so wird Helgolands Zukunft verspielt. Ich habe von Anfang der 80er bis 1986 auf Helgoland gewohnt und in der Gastronomie gearbeitet. Das Problem der Insel ist, neben der geringen Bevölkerung, daß es außer Gastronomie und Schnaps- und Zigarettenverkauf kaum nennenswerte Ertragsmöglichkeiten gibt.
Mit dieser Fehlentscheidung wird jede Aufbruchstimmung kaputtgemacht und die schöne Insel sägt sich kurzsichtig ihre Zukunft kaputt. Schade um Helgoland.“

Spiegel Online, Kommentar
“ Man sollte sich schonmal darauf einstellen, dass man beim Helgoland Urlaub – ähnlich wie früher in Kuba, Seife und andere Kleinigkeiten als Geschenk fürs Personal nicht vergisst.

Oder sind die Herren: „Meine Urlaubsinsel soll so idyllisch bleiben, wie sie ist“ bereit auch kostendeckende Preise zu bezahlen?“

Spiegel Online, Kommentar
„Helgoland gräbt sich selber sein Grab

Touristen interessieren sich eben weniger für 5 Geschäfte in einer eher etwas vergammelten Straße als für 15 Geschäfte und etwas Großzügigkeit.

Man erkennt das daran, das sich sowohl Besucher als auch Einwohner drastisch verringert haben.

Nun haben die in Ehren ergrauten Restbewohner der Insel gewonnen, und erst wenn diese alle gegangen sind gehts vielleicht vorwärts.

So: Stillstand und ja nichts verändern, vor allem, den bisherigen Nidergang auf Fehler anderer schieben

RIP Helgoland“

Update, 28.06.2011

HHer Abendblatt zur Dünenverbindung Helgoland, Leserbrief vom 28.06.2011

HHer Abendblatt zur Dünenverbindung Helgoland, Leserbrief vom 28.06.2011

HAN, Harburger Anzeigen und Nachrichten, 28.06.2011 – Aus einem Interview mit Arne Weber:
Warum glauben Sie, haben die Helgoländer die Pläne mehrheitlich abgelehnt?

Viele Helgoländer haben offenbar das Projekt und dessen Entwicklung nicht begriffen. Unser Vorschlag der Landverbindung ist in den vergangenen Monaten komplett zerfleddert worden. Es sind so viele Alternativpläne präsentiert worden, mit zum Teil abenteuerlichen Zahlen: Es schien, als hätte jeder seinen eigenen Gegenentwurf. Es wurde vergessen, dass unser Plan – damals noch zusammen mit der TU Harburg entworfen – der einzige seriöse ist. Wir sind Wasser- und Hafenbauer und hatten alles komplett ausgearbeitet bis zum Ankauf des Seegrunds.“Link zu den HAN

Update 29.06.2011

TAZ Online
„Denn dass es nicht so bleiben kann, wie es ist, dürfte allen klar sein. Das Image des Fuselfelsens zieht zu viele Tagesgäste an und zu wenige Urlauber. Zudem leidet die Insel an Auszehrung. Die Jungen ziehen weg, die Alten bleiben, der Schule droht das Aus. Zweitwohnungsbesitzer vom Festland treiben die Immobilienpreise hoch, tragen aber zum Gemeindeleben wenig bei.“
Link zur TAZ  

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